Straßenmusik, Kaffee and the City

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Berlin zeigt immer noch Farbe. Alter Backstein bekommt mit gemalten Welten neue lebenssprühende Dimensionen und jenseits dieser Mauern tummeln sich junge Start-Ups wie Popcorn; wo einmal ein Thirty-Something die Idee zu einer Bar hatte, klimpert jetzt ein Twenty-Something auf der Gitarre , und all das ergießt sich auf die Straßen. In Berlin eine Straße hinunterzulaufen fühlt sich irgendwie offen an und energiegeladen, die Dichte an Wohnungen und die vielen wie willkürlich verteilten Läden, die vielleicht einmal zu einem Bezirkszentrum werden oder auch nicht.

Berlins verrückte Geschichte, die den einzigartigen Charakter ausmacht, ist trotz Gentrifizierung und Kommerz lebendig, denn diese Kräfte haben auf den individuellen Ort eine besondere Wirkung, die auf der Geschichte beruht, auf der Politik und auf ihren Entscheidungen über soziale Werte. Hier gibt es viele junge Familien mit Eltern, die tanzen, trinken und rauchen gehen, während ihre konservativen Nachbarsfamilien um zehn Uhr abends nach Hause kommen.

Wir haben Zane begleitet, als er auf der Oberbaum-Brücke in Berlin Musik gespielt hat:

Irgendwann am Tag kommen die meisten Leute auf die Straße, unabhängig von ihrem Hintergrund. Wogen von Menschen schwirren auf verschiedenen Wellenlängen durcheinander und können ihren Schritt für einen Moment verlangsamen, um eine Welt in sich aufzunehmen, die ein einziger Mensch durch Musik kreiert. Meine Freundin Alice Phoebe Lou hat es sehr gut zusammengefasst: „Es ist dieser Moment, in dem du einen Haufen bunt zusammengewürfelter Menschen hast, die auf dem Weg hierhin sind und von dorther zurückkommen, und du bist dieser kleine Zwischenstopp in ihrem hektischen Tag […] deshalb ist es so etwas wie meine soziale Verpflichtung, Musik zu machen.“

Es gibt hier phantastische Orte um Musik zu hören oder Straßenmusik zu spielen, wo gerade genügend Leute vorbeikommen, an einem Platz, der gerade öffentlich genug ist, um nicht in jemandes stille Wohnung einzudringen. Diese besonderen Juwelen werden von Musikern gesucht, weil sie den Ausdruck von lauten Gefühlen und melodischen Gedanken beherbergen können, was im Sommer oft auf eine Schlange von einem halben Dutzend Menschen hinausläuft, sodass das Publikum einen Kreis bilden und ein richtiges Konzert erwarten kann.

In diesem Artikel geht es um Musiklocations, aber auch um die grandiosen Espressoläden in der Nähe – wer liebt es nicht, vom Geheimen zu trinken? (Die Sommersaison bringt mehr Zuhörer und mehr Musiker)

Warschauer Bahnhof, Friedrichshain

Warschauer Bahnhof ist einer der dynamischsten Plätze in Berlin. Mit Scharen von Menschen, die aus der U1 Station heraus hasten und Leuten in allen Lebenssituationen, die sich um den Bahnsteig herumtreiben, ist die gemeinsame Bühne prädestiniert zum Tanzen und für allgemeinen Unsinn. An jedem Abend der Woche belebt, explodiert der Ort regelmäßig ab Freitag nachmittag.

Straßenmusik an der Berliner Warschauer Brücke am U-bahnhof Warschauerstraße- tanzendes Kind im Zentrum

Weil es in der Nähe keine Wohnungen gibt, können die Musiker laut werden, während sie ihre Kreativität austesten. Die einzigen Schläfer in der Umgebung sind im 100 Meter entfernten Michel Berger Hotel; Das bringt uns zu unserem ersten tollen Café, Honolulu, einer grandiosen Lounge mit einem Hof, der zu einer glücklichen Flucht einlädt.

Gebäude des Cafés Honolulu in Berlin Friedrichshain - Straßenmusik und ein Kaffee im Honolulu
Café Honolulu in Berlin Friedrichshain - von Innen

Rosenthaler Platz, Mitte

Rosenthaler Platz ist ein Barviertel für junge, internationale Touristen, aber auch für gutsituierte Berufstätige und Familien. Der Straßenlärm ist erst mal zu überwinden und es gibt viele Wohngebäude in der Nähe, deshalb ist dies kein gängiger Ort für Musiker. Nur wenige Leute spielen hier vor dem Innenhof von St Oberholz, aber wer leckere Braten und die beeindruckende Ästhetik von großen Holztreppen liebt, ist in diesem Café richtig.

Eberswalder Bahnhof, Prenzlauerberg

Der Eberswalder Bahnhof ist ein eher lauter Verkehrsknotenpunkt; unter dem symmetrischen gebauten Zwischengeschoss der Station treffen Fußgängerwege aus allen Richtungen zusammen, die die Bühne schön einrahmen. Dieser Punkt ist unter denjenigen Musikern sehr beliebt, die es schaffen, das Getöse und Vorbeibrausen der zahlreichen Autos zu übertönen. Oft sitzen Leute auf dem Pflaster und warten darauf, dass sich ihre Pläne verwirklichen, und irgendetwas an der grünen Stahlkonstruktion gibt einem das Gefühl, dass die alte Welt noch am Leben ist. Am Ende der Straße bietet das Nothaft Seidel Café einen gemütlichen Schlupfwinkel mit frischen, selbstgemachten Köstlichkeiten.

Junge Straßenmusiker an der Eberswalderstraße in Berlin Prenzlauer Berg

Kurfürstendamm, Charlottenburg

Der Kurfürstendamm ist eine Shoppingmeile, die schon in den 20er Jahren ein wichtiges Unterhaltungszentrum war, nach dem Krieg wieder und auch heute noch eines ist. Endlos strömen Touristen vorbei, die erschöpft vom Museumsbummel kommen, und Jugendliche auf der Suche nach Nervenkitzeln – alle bereit, aufzunehmen, was die große Promenade zu bieten hat wie auf Vergnügungstour im Lunapark. Es gibt viele Musiker und eine Gruppe Breakdancer, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, während ein muskulöser Typ im mittleren Alter eindrucksvolle Skateboard-Tricks auf dem Europa-Center-Platz vorführt. Wer bereit ist, noch etwas weiter zu laufen, findet im Garten des Café im Literaturhaus in der Fasanenstraße ein ruhiges, verstecktes Fleckchen, das die Umgebung wieder in einem ganz anderen Farbton erscheinen lässt.

Nahaufnahme der Berliner Gedächtniskirche - Hier unterhalten viele Straßenmusiker Einheimische und Touristen

Mauerpark, Mitte

Mauerpark ist der Sonntagsmarkt, der wirklich alles auf einmal bietet. Hier wird einem klar, dass die Vielfalt Berlins unerschöpflich ist. Manche beschweren sich über die Masse an Touristen und die hohen Marktpreise, aber wer nicht will, muss ja nicht hingehen. Jedenfalls gibt es ein Amphitheater, wo ein paar hundert Leute nervösen Karaokesängern zuhören, die sonst ihre Künste nur unter der Dusche ausleben, und Möchtegern-Rapper ihre Lieblingstöne bellen, aber das Publikum jubelt und singt begeistert mit. Zauberer und Akrobaten sind auch da und zwanzig oder dreißig Musiker spielen gleichzeitig, oder hören zu, solange sie Schlange stehen. Im südlichen Teil des Parks gibt es einen Spezialitätengrill mit hingebungsvollen Hipster-Baristas, die einen doppelten Espresso ausrocken; die Coffee Heroes von Bonanza. (Besonders viel ist in der Sommersaison los.)

Straßenmusik mal anders - Karaoke im Mauerpark Berlin-Mitte. Menschenmasse geniesst das Karaoke-Programm

Türkischer Markt, Kreuzberg

Türkischer Markt Wer ein weiteres Markterlebnis sucht, diesmal ganz kulinarisch, ist dienstags und freitags am Kottbusserdamm richtig. Auch hier ist es voll, aber wer in der letzten halben Stunde vor der Schließung aufkreuzt, also zwischen 18:00 und 18:30 Uhr, und aus Geldmangel nach Gemüseresten fragt, wird reichlich versorgt. Frische Produkte, Säcke mit Gewürzen und Oliven, die gar nicht teuer sind, entlohnen einen für die Mühe. Am südöstlichen Ende des Marktes erstreckt sich ein Holzdeck über den Landwehrkanal, wo es oft kostenlose Schwingungen gibt und die Menge durchreisenden Künstlern mit internationalem Musikgeschmack lauscht. Und schlichtweg grandios ist die nahe Konditorei Bullys Bakery, wo man sich einen Obstkuchen und einen Caffe Latte nicht entgehen lassen sollte. (Besonders viel ist in der Sommersaison los.)

Monbijoubrücke, Mitte

Die Monbijoubrücke stützt sich auf die Spitze der Museumsinsel und verbindet den Markt Am Kupfergraben mit dem Monbijou Park. Die Brücke ist der ideale Ort, um einen Tag in der Sonne zu verbringen, auf dem Weg zu einem Museumsbesuch oder einem Bummel an der Spree. Und wie die Umgebung und die Energie der vorbeikommenden Leute ist die Musik hier oft weich und süß. Die Monbijoubrücke ist ein beliebtes Bildmotiv voll nostalgischem Charme. Eine weitere Urberliner Einrichtung findet sich an der Spree: Strandbar Mitte (Ich habe hier ein Bier getrunken, die Website erwähnt nichts von Kaffee, aber nach etwas Detektivarbeit bin ich bei Foodspotting auf das Bild eines Latte Macchiato gestoßen. Derzeitiger Status: potentielles Café, mit einem Dance Floor als Beilage, Liegestühlen mit Blick auf die Spree und dem phantastischen Bode Museum im Hintergrund.)

Auch hier wird oft Straßenmusik gespielt - Blick auf Monbijoubrücke in Berlin Mitte

Cafe gibt es auch in der Strandbar Berlin Mitte, wie uns Straßenmusiker Zane erzählt.

Schönhauser Allee, Prenzlauerberg

Die Schönhauser Allee ist ein toller Ort für Familien in Prenzlauerberg, eine ausgeglichene Ecke, akzentuiert durch eine kleine Anzahl obdachloser Alkoholiker; aber die summen und schreien gemeinsam mit den Musikern. Die Unterführung der U2 ist ein schön überdachter Platz für regnerische Tage, wo Vorbeikommende anhalten und in die festliche Stimmung eintauchen, unweit vom Tumult des Mauerpark am Sonntag. (Es gibt ein Café mit einem schönen großen Innenhof, von dem man einen Blick auf das Getümmel werfen kann; der Kaffee ist gut, aber die Kette benötigt keine Erwähnung.)

Zane ist selbst Musiker. Ihr könnt mehr über ihn erfahren auf Zane´s Facebook Seite

Artikel und Fotos: Zane Barratt

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