Santa Maria delle Grazie - Das letzte Abendmal von Leonardo da Vinci

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Wer Mystisches liebt, ist hier richtig. Denn das „Abendmahl“ von Leonardo da Vinci ist viel mehr als nur ein Wandgemälde: Es ist ein universelles, künstlerisches Meisterwerk, bei dessen Interpretation, vor allem in den letzten 10 Jahren, Ströme von Tinte verbraucht worden sind. Wer ist die Person, die rechts von Jesus sitzt?

Der US-Autor Dan Brown („The Da Vinci Code“, dt. „Sakrileg“) hatte nie Zweifel: Es handelt sich um Maria Magdalena, vermutlich Jesus´ Frau, wenn nicht gar Mutter seines Sohnes. Diese einfallsreiche Theorie, die die meisten für gelinde gesagt verrückt halten, hat Millionen Menschen auf der ganzen Welt fasziniert und dem Autor auf Lebenszeit ein gutes Auskommen beschert.

Man kann stundenlang auf das beeindruckende Gemälde starren!

Blick auf das Abendmal von Da Vinci

Wahrscheinlich werdet auch ihr wie der überwiegende Teil der Betrachter angestrengt auf das Gemälde starren, um festzustellen, welches Geschlecht die mysteriöse Person hat. Das ist in Ordnung, alle tun es. Vorab kann ich euch schon mal zwei Dinge sagen. Es stimmt: Auf den ersten Blick scheint es eine Frau zu sein. Allerdings sind die meisten Fachleute überzeugt, dass es sich um den Apostel Johannes handelt, den Leonardo mit den Zügen eines Jünglings darstellen wollte. Das Bild befindet sich in der Piazza Santa Maria delle Grazie 2, gleich bei der Station Cadorna (Öffnungszeiten: jeden Tag von 8:15 bis 19:00 Uhr; normales Ticket 8 Euro; Website: www.grazieop.it; eine Voranmeldung ist erforderlich). Das Wandgemälde (aus den Jahren 1494-1498) befindet sich im Inneren des ehemaligen Refektoriums der Kirche Santa Maria delle Grazie.

Blick auf die Kirche von vorne

Blick auf die Kirche von unten

Der äußerst schlechte Zustand rührt von der Feuchtigkeit her (nicht einmal Leonardo, dieses Genie, hat daran gedacht…) und macht ständige Restaurierungsarbeiten nötig. Zudem haben die unzufriedenen Mönche im 17. Jahrhundert eine Tür just zu Jesus´ Füßen eingebaut und munter einen Teil des Werks zerstört. Wenn ihr nun schon mal da seid, könnt ihr auch gleich die angeschlossene Basilika besichtigen (werktags 7-12, 15-19:30; feiertags 7:30-12:30, 15:30-21), die schon 1980 zusammen mit dem Abendmahl zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt wurde.

Einblick in die Kirche

Einblick in die Kirche Einblick in die Kirche

Toller Mix an Menschen!

Setzt euch vor den Eingang, auf eine der Bänke, die rund um die Piazzetta stehen. Genießt ein paar Minuten lang einfach die Stille und die bemerkenswerte „Fauna“, die hier unterwegs ist: Den bizarren Mix aus Mönchen mit Kutte und weißem Bart, und Studenten der benachbarten Katholischen Universität.

Blick auf die Bänke vor der Kirche

Zwei Menschen sprechen vor der Kirche miteinander

Die Kirche stammt aus dem 15. Jahrhundert. Sie wurde im gotischen und im Renaissance-Stil erbaut und hat auf beiden Seiten je sieben quadratische Kapellen, von denen jede ein kleines Meisterwerk für sich ist. Zu bestaunen gibt es hier – außer den Laubengängen des angegliederten Klosters – auch eine majestätische Tribüne, die traditionsgemäß Donato Bramante zugeschrieben wird und die – begrenzt von vier gewaltigen Rundbögen – in eine große Kuppel aus sechzehn Teilen mündet. Am Ende des 15. Jahrhunderts wollte Mailands Herzog Ludovico Sforza, genannt „il Moro“ (=der Dunkle), die Basilika in ein großes Familien-Mausoleum umwandeln. Das Projekt kam nicht zustande, aber einer alten Legende nach, die immer noch kursiert, soll es einen geheimen Tunnel geben, der angeblich unter der Stadt verläuft und Santa Maria delle Grazie mit dem Castello Sforzesco verbindet, in dem Ludovico il Moro wohnte. Behaltet das im Hinterkopf, aber verratet es bloß nicht Dan Brown!

Blick auf die Kirche von außen

Blick auf die Kirche von außen

Fotos: Andrea Sceresini und Ilaria Manieri

TagsKultur
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