„Hol Dir die Urlaubsküche nach Hause!“

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Die leckersten internationalen Urlaubsgerichte mit regionalen Produkten

Es ist ein lauer Freitagmorgen im September, doch für mich eigentlich viel zu kalt. Ich bin müde, habe Jetlag, an Schlaf ist seit Tagen nicht zu denken und das Fernweh wünscht mich eigentlich nach Kalifornien zurück. Ich bin seit vier Tagen zurück in Deutschland, eigentlich noch nicht richtig wieder da und trotzdem hat mich der Arbeitsalltag bereits wieder. Und als wenn das Schicksal es so gewollt hätte, nimmt Discavo unter dem Claim „Hol Dir die Urlaubsküche nach Hause!“ an den Wertewochen Lebensmittel 2014 der Senatsverwaltung Berlin teil. Es ist also auch wie ein bisschen Fernweh stillen für mich selbst.

Gemüse in der Nahaufnahme

„Ich glaube die Amerikaner sind regionaler als wir!“

Die Wertewochen finden dieses Jahr schon das zweite Mal statt und sollen den Berlinern unter dem Motto ‚So bunt schmeckt die Region’ den nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln näher bringen. Die 14-tägige Aktion macht darauf aufmerksam, wie vielfältig die Region auch in den kälteren Monaten ist und das ganz, ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. Das finden wir gut und beteiligen uns mit einer Veranstaltung. Die Idee ist auch schnell gefunden, denn nach dem Urlaub vermisst wohl jeder Reisende die gute Urlaubsküche. Es geht mir nicht anders, ich stehe im kalten Berlin und habe Sehnsucht nach der amerikanischen Küche, die weit mehr ist als Pommes und Burger. Gerade in den warmen Bundesstaaten gibt es Obst- und Gemüsefelder, soweit das Auge reicht. Von Kirschen, Erdbeeren, Cranberrys, Avocados und Artischocken ist alles dabei. Stellt sich mir beinahe die Frage, ob die Staaten ein besseres Gefühl für regionale Produkte haben als wir Deutschen? Natürlich wachsen bei uns aufgrund der klimatischen Bedingungen nicht das ganze Jahr diese unglaublich leckeren Früchte, doch auch mit einheimischen Lebensmitteln kann man die internationale Urlaubsküche nachkochen. Jetzt sind die USA nicht das Standardreiseziel der meisten deutschen Touristen und deshalb haben wir uns auf die beliebtesten Destinationen in Europa beschränkt.

spanische Gazpacho

Profi bleibt Profi oder wie zwei Köche regional kochen, die sich vorher nicht kannten

Es wird an diesem Freitagabend also jeweils drei Gänge aus Spanien, Italien und Frankreich geben. Und wie es sich für einen Hotelpreisvergleich gehört, arbeiten die Profiköche nicht nur in den Hotels, die wir vergleichen, sondern heute Abend auch in unserer Küche. Sebastian Lenz und Frederik Jagla wissen, worauf es in der Küche ankommt. Sebastian hat bereits in Häusern wie dem Michelberger Hotel in Berlin, dem Vital Hotel Meiser in Dinkelsbühl und dem Marriott in Heidelberg gearbeitet. Freddy war zuletzt im Fluxbau in Berlin tätig. Der Fluxbau ist Teil des Alternativ Radiosenders FluxFM, der sich selbst als „das Sprachrohr der Generation Flux – all derer, die offen und neugierig sind, die den Wandel leben und mitgestalten“ bezeichnet. Das könnte heute auch unser Motto sein, denn auch wir bleiben aufgeschlossen und schauen, was der Abend bringt. Gleiches gilt wohl auch für unsere Köche, denn die Jungs haben noch nie zusammengearbeitet, doch glücklicherweise wird sich an diesem Abend zeigen, dass sie ganz Profis sind. Wer Sebastian und Freddy an diesem Abend beobachtet, wird das Gefühl nicht los, sie sind ein seit Langem eingespieltes Team.

Freddy und Sebastian richten die Speisen an

Bio Company – Regionalität soweit das Auge reicht

Bevor es aber in die Küche zum Kochen geht, müssen erst mal die Lebensmittel für die Rezepte besorgt werden. Dafür bieten sich bei dem regionalen Thema die Bio Company oder auch das Frische Paradies an, wobei Letzteres vor allem von Gastronomen bevorzugt wird. Die Bio Company hingegen wurde 1999 unter dem Vorsatz Bio-Produkte im Vollsortiment-Supermarkt anzubieten in Berlin gegründet – mehr Regionalität geht also nicht. Seitdem werden den Berlinern über 8.000 ökologische Produkte von Verbänden wie Demeter, Bioland oder Naturland zu einem fairen Preis angeboten. Gerade diese Anbauverbände werden im Regal bevorzugt, da sie weit komplexere Erzeugerrichtlinien für Produkte aufstellen, als es die EU-Bioverordnung vorsieht, jedoch grundsätzlich in Paragraf 29 erlaubt. Heute gibt es 32 Filialen in Berlin und Brandenburg sowie vereinzelt in Dresden und Hamburg.

Kerzenleuchter und Stehtisch beim Koch Event

Ein bisschen Ostalgie darf auch bei uns nicht fehlen

Nachdem also die Lebensmittel gekauft sind, stehen die Jungs seit dem frühen Morgen bei Freddy in der Küche und bereiten die Gerichte vor, denn auch in der Gastronomie wird nicht alles à la minute gekocht. Gerade Speisen wie das Tiramisu und Ragout fin benötigen einige Vorbereitung und bei steigender Gästezahl ist eine gute Vorarbeit das A&O. Ab 14 Uhr wird das Kochen in die Discavo Küche verlegt, schließlich sollen ein Imagefilm und Fotos von der Veranstaltung gemacht werden. Sebastian und Freddy geben Gas in der Küche, schnibbeln, schneiden, würfeln. Der Zeitplan ist eng, um 18 Uhr beginnt die Veranstaltung, eine halbe Stunde später soll der erste Gang geschickt werden. Währenddessen bereiten wir die Küche vor, decken die Tische mit Wasser, Wostok und Proviant Brause ein, schließlich wollen wir unsere Gäste an diesem Abend nicht verdursten lassen. Natürlich sind beides Original Limonaden aus Kreuzberg. Proviant stellt neben Smoothies auch Limonade und Schorle aus naturtrübem Bio-Saft her – ‚Limo wie hausgemacht’ trifft es da sehr gut auf den Punkt. Und Wostok, eigentlich 1973 als Baikal in der ehemaligen UDSSR entstanden, wird heute mit einer leicht angepassten Rezeptur hergestellt. Wir haben uns für den Abend für die Biosorte Birne-Rosmarin entschieden, denn die passt laut Freddy hervorragend zum Adler Dry Gin. Dieser erlesene, in Handarbeit gefertigte Gin entsteht in einer begrenzten Stückzahl in der Preußischen Spirituosen Manufaktur und wird in einem Mehrfach-Destillationsverfahren abgerundet. Natürlich gibt es bei diesem Event nicht nur harten Alkohol und Limonade, sondern auch des Deutschen liebstes Malzgetränk. Der gute Hopfen für diesen Abend kommt aus der Braumanufaktur Forsthaus Templin, die seit 2003 traditionelles Bier braut und die einzige Bio-Brauerei in Berlin und Brandenburg ist.

Preußische Pünktlichkeit trifft auf mediterranes Flair

Irgendwie vergeht die Zeit beim Eindecken wie im Flug, mit mal ist es kurz vor sechs, die Gäste sind ganz nach preußischem Gemüt pünktlich und ich sehe mich selbst dastehen und den Grund für die Teilnahme an dieser Veranstaltung erklären. Die Küche füllt sich, es wird Bier und Limo probiert und dann können wir auch schon den ersten Gang schicken: Caprese aus Büffelmozzarella und Bio-Tomaten. Ein guter Einstieg für den Abend und eben typisch italienisch. Wir haben die erste Vorspeise noch gar nicht richtig aufgegessen, da richtet Freddy schon das Ragout fin an. Und das kann sich sehen lassen, superzart, gespickt mit Pilzen, lassen wir uns gerne noch mal nachschenken, denn irgendwie haben die Jungs trotz einer spitzen Kalkulation zu viel davon produziert. Von der französischen Küche ziehen wir direkt weiter nach Spanien, gönnen uns ein kaltes Gemüsesüppchen, um anschließend direkt wieder nach Frankreich zurückzugehen. Als Hauptgang serviert Sebastian eine Bouillabaisse, die ihres Gleichen sucht – ich hole mir direkt nach, denn das was die beiden heute Abend zaubern, ist wahrlich zum niederknien. Die Saltimbocca mit Polenta ist zwar zu klein für die Palmenblattschälchen und lässt sich mit dem kompostierbaren Einwegbesteck nicht ganz so einfach schneiden – aber das nehmen wir für dieses Essen in Kauf. Die letzte Hauptspeise verschlägt uns wieder nach Italien: Ratatouille mit selbstgemachten Pommes, auf die sich die Gäste so schnell stürzen, dass ich definitiv nichts mehr abbekomme. Ein Zeichen, das es schmeckt. Unsere Gäste sind happy, die Stimmung ist ausgelassen und ganz nebenbei wird auch schon das Dessert angerichtet. Über den Kürbisstrudel kann ich gar nicht richtig nachdenken, denn das darauf folgende Tiramisu ist ein Gedicht und wird direkt von der live flambierten Crème brûlée getoppt. Glücklichen Gesichtern sieht man an, dass es ein rund um gelungener Abend war, ich nehme die Atmosphäre noch mal auf und lasse den Abend ausklingen.

Crème brûlée

Fotos und Video: Johanna Weber

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